Artistic StateMent (de)

Als Komponist und künstlerischer Forscher begegne ich Musik in einem experimentellen, Prozess: als phänomenologische Erforschung von Klängen und des Hörens an sich. Meine Arbeit setzt am Akt des Zuhörens an – indem sie gewohnte Modi der Wahrnehmung irritiert und Hörer:innen dazu einlädt, sich intensiv auf klangliche Differenzierung, Nuancierung und Reflexion einzulassen. Zuhören ist für mich keine passive Tätigkeit, sondern eine bewusste Praxis, in der sich innere Vorstellung und äußere Wirklichkeiten begegnen. In meinen Kompositionen versuche ich diese Praxis auf eine Weise weiterzuentwickeln, die anregt, nicht nur zu hinterfragen, wie man hört, sondern auch, wie das Hören in Beziehung zur Welt tritt.

Mein kompositorisches Schaffen umfasst ein weites Spektrum: von Orchester- und Kammermusik über Solowerke bis zu Installationen, elektronischen Arbeiten und konzeptuellen Formaten.

Ein zentrales Moment meiner Arbeit ist die künstlerische Erforschung mehrstimmiger Situationen: vielfach geschichtete Klangverläufe, die durch Wiederholung, Variation und wechselnde Konstellationen zueinander komplexe Gefüge musikalischen Gedächtnisses herstellen. Dabei greife ich auf Hörtechniken aus kontemplativen Praktiken wie bspw. Klangmeditation oder Achtsamkeitsübungen zurück und übersetze diese methodisch in musikalische Prozesse. Mein Ziel ist die Entwicklung von Klangtexturen, die ein hohes Maß an sensibler Differenzierung ermöglichen – und so ein aktives, verantwortliches und bewusstes Hören erfahrbar machen, statt ein passives „Beschalltwerden“ zu reproduzieren.

Ein starkes Anliegen ist mir, die interdisziplinäre Erforschung der Beziehungen zwischen Mehrstimmigkeit und kontemplativer Praxis weiter zu vertiefen. Dafür strebe ich Kooperationen mit Musiker:innen, Künstler:innen und Forscher:innen aus Bereichen wie Neurowissenschaft, Kognitionswissenschaft, Religionswissenschaft, Musiktheorie, Musikgeschichte, Anthropologie und Philosophie an. Im Zentrum stehen dabei historische wie gegenwärtige Perspektiven auf Mehrstimmigkeit als ästhetisches, geistige und kulturelle Technik – sowohl für die Komposition als auch für kontemplative Praxis.

Dieser interdisziplinäre Blick prägt auch meinen kompositorischen Prozess: Die Auseinandersetzung mit Denkformen außerhalb der Musik ist für mich ein wesentlicher Weg, meine künstlerische Arbeit in größere kulturelle und intellektuelle Zusammenhänge zu stellen. Solche Dialoge erweitern meinen Horizont, vertiefen meine musikalische Vorstellungskraft und schärfen die Ausdruckskraft meiner Arbeit.

Letztlich ist es mein Ziel, zeitgenössische Techniken der Mehrstimmigkeit zu entwickeln, die mit den wachsenden Komplexitäten unserer Zeit in Einklang stehen. Ich suche nach innermusikalischen Werkzeugen und Methoden, die das Potenzial haben, metaphorisch zu werden für eine zunehmend vernetzte Welt, in der immer unterschiedlichere Stimmen Gehör finden und immer neuere Spannungsfelder erzeugen. Damit hoffe ich, Räume für Reflexion, Verbindung und Transformation zu öffnen – Räume, in denen Musik zu einem Medium wird, um sowohl uns selbst als auch die Welt um uns herum zu verstehen.

 

("Verhört?"-Concert in Munich)                                                                                (ISCR-Conference 2024)                                (Rigorosum and Defensio of my dissertation in Graz)